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Roy Dotrice Interview

                                                                           Zeichen des Biestes
Bericht über Roy Dotrice aus der englischen Zeitschrift „Fear", Ausgabe Februar 1990

Der englische Schauspieler Roy Dotrice hat nach Jahren der Charakter-Rollen auf Bühne und in Filmen plötzlich Ruhm durch eine Femseh-Neuverfilmung des klassischen Märchens „Die Schöne und das Biest" erlangt. Juanita Elefante - Gordon sprach mit dem Mann, der Witz und Weisheit in die Rolle von „Father" bringt.

Ja, das Gerücht um Catherine Chandlers Tod ist wahr. Traurig für die Schöne und das Biest. Schauspielerin Linda Hamilton hat die Serie verlassen, um Mutter sein zu können. Tatsächlich wird der zweistündige Pilotfilm zur dritten  Staffel ihr Schwanengesang sein. Zuweilen ist es schwer, sich dieses klassische Märchen ohne die Schöne vorzustellen. Der Schauspieler Roy Dotrice erhält aufrecht, daß die Dinge nicht so „biestig" sind, wie sie scheinen mögen. „Unser Gefühl auf dem Set ist von vorsichtigem Optimismus", sagt er. Die Frage, die natürlich in den Köpfen der Leute sein wird ist: „Braucht man aber zu die Schöne und das Biest nicht zwei?"

„Nun, da sind besondere Arten der Romantik. Beauty and the Beast ist romantisch im Sinne von Byron und Shelley sowie auch entgegengesetzt Harlekin-Romantik", verrät Dotrice. „Es ist die Sorte von Romantik, die über Liebesgeschichten hinausgeht, es ist eine Art auf die Welt zu sehen, auf das Leben. Es ist die ganze Vorstellung vom Leben, daß die Welt noch immer voller Abenteuer und Mitgefühl und wundervollen Dingen ist. Ich denke, die Schreiber haben dieses Thema so realistisch wie möglich behandelt. Ja, ich denke, die Serie wird auch weiterhin romantisch sein."

Dotrice spielt Father, einen warmherzigen, witzigen Geschichtenerzähler mit einem knochentrockenen Sinn für Humor. Ein Einsiedler, der sein Leben „oben" aufgab für ein Zuhause in den geheimen Kammern und Tunneln unter New York City. In diesem literarischen Phantasie-Drama ist Father Vincents (des Biestes) Ersatz-Vater. Er hat ihn im Untergrund aufgezogen, seit Vincent als kleines Kind ausgesetzt worden war. Father ist der Gründer der phantastischen Gemeinschaft, die „unten" existiert und er ist ein treuer Ratgeber und Führer für alle Bewohner.

„Bis ich  die Rolle  von Father bekam, war  ich noch unbekannt  als Charakter-Schauspieler. Verborgen unter Schichten von Make up hatte ich Rollen wie Caliban und Julius Caesar - ich dachte darüber stets wie ,acting' (schauspielern) mit einem großen ,A' „, sagt Dotrice. „Jetzt bin ich fähig, mein eigenes Aussehen und meine Persönlichkeit in Fathers Charakter zu legen. Wir sind uns in vielen Dingen ähnlich - besonders das Feingefühl für gutes Theater und gute Musik", lächelt er.

Dotrice hätte beinahe unter viel Make up geendet - als Vincent. „Ich habe für die Rolle einige Male vorgesprochen und jeder schien zufrieden zu sein. Dann kam Ron Perlman. Er ist sehr athletisch und er hat die Größe - er ist riesig - und die Stimme... nun, ich war augenblicklich aus dem Spiel zu diesem Zeitpunkt. (Er lacht). Aber zwei Wochen später erhielt ich einen Anruf vom Produzenten dieser Serie. Er fragte, ob ich interessiert wäre, Father zu spielen. Eine wöchentliche Serie zu machen war mein Traum und der Gedanke, daß mich mehr Menschen an einem Abend im Fernsehen sehen würden, als mich bei meinen Auftritten während meiner ganzen Karriere gesehen hatten, war auch ein Grund. Ich sagte ja... Und ich bin froh, daß ich nicht Ron Perlmans Rolle als Vincent bekommen habe, weil der arme Kerl viereinhalbe Stunden pro Tag geschminkt wird!"

Russische Pest

Der Charakter von Father bekommt eine dramatische Wende in der zweiten Staffel und wurde, gesteht Dotrice, unterstützt von einer kleinen schöpferischen Bearbeitung seiner Rolle, wie die Episode „Ein schwerer Abschied"...

 „Es wurde keinen Punkt im Schreiben einer Episode geben, wenn ich nicht einen guten Part für mich selbst schreibe! Ich versuchte an das Schlimmste zu denken, das unten in den Höhlen und Tunneln passieren könnte. So dachte ich: Was würde passieren, wenn wir eine Situation hätten, wo eine Epidemie, eine Seuche diese unterirdische Gemeinschaft treffen würde? Sie könnten nicht alle plötzlich nach oben laufen. Sie müßten dort unten bleiben und sich isolieren. Das Ergebnis wäre dann, daß es sich wie ein Lauffeuer ausbreitet.

Ich dachte, es mag eine gute Idee sein, wenn wir die Pest von einem Russen bekommen hätten. Ich hatte einen Russen, der von einem Schiff im New Yorker Hafen flüchtet. Er kommt an Land und wird von Vincent gerettet, nach unten zu Father gebracht. Er spricht ziemlich gut Englisch. Das ist eine Gelegenheit, dachte ich, um über die Philosophie zwischen Ost und West zu diskutieren - welche zurückblickend jetzt fast veraltet erscheint! Jedenfalls hast du diesen Burschen aus einem kommunistischen Land, der den Kapitalismus rühmt und Father, der in einem kapitalistischen Land lebt und „unten" eine fast perfekte Gemeinschaft geschaffen hat. Es ist eine Gemeinde, die ihre Entscheidungen von einem Ausschuß und der Mehrzahl seiner Wahl bestimmt. Jeder hat gleiches Recht  und alles  wird gleichermaßen geteilt. Kommunismus in der reinsten Form, wirklich. Das ist irgendwie ironisch in Hinsicht darauf, daß Father eigentlich ins Gefängnis geworfen wurde, als seine Karriere durch die Mc Carthy Gerichtsverhandlungen ruiniert wurde. Ihm wurde Kommunismus vorgeworfen.

Dotrice ist durch mehr als ein Dutzend Filme erfahren. Er ist bei seinen Fantasy-Film-Fans bekannt als der verrückte Naturwissenschaftler in „Eliminators“ und seiner Darstellung des Beauftragten Simmonds in den Folgen „Breakaway" und „Earthbound" der Serie „Mondbasis Alpha 1" (Space 1999). Er trat auch als der französische Vampir in „My Ghost Writer", die Vampir-Episode aus der Serie „Geschichten aus der Schattenwelt" auf. Er ist besonders entzückt von der Rolle als Father - er kann sie wie sich selbst spielen.

„Da ist Eleganz der Sprache und gelehrte Bildung. Das ist ganz verblüffend für das Fernsehen. Wir haben jahrelang die Intelligenz des durchschnittlichen amerikanischen Publikums unterschätzt. Ich denke das Publikum schätzt diese Dinge - und unsere Einschaltquoten haben bewiesen, daß wir recht hatten. Vor einer Weile waren die Produzenten ein wenig kritisch, die Leute in eine unterirdische Welt zu entführen, weil sie alle die glamouröse Kost von Dallas und Denver Clan gewöhnt waren. Sie dachten, es wäre ein zu großer Kultur-Schock nach unten in diese dunkle, feuchte Atmosphäre der Höhlen zu gehen. Aber in all den Briefen haben wir das Interesse nicht wegen dem Büro des Staatsanwaltes und was „da oben" passiert gehabt, sondern was in der Untergrund-Welt und was „da unten" geschieht hat die Leute interessiert."

Die Schöne und das Biest hat eine hohe TV-Qualität aber es geht nicht ohne lustige Pannen.

„Ich erinnere mich an den Beginn der Serie, als Ron diese Zähne hatte - dieses Hundegebiß, das einfach nicht richtig paßte. In einer Szene sollte er mich küssen und als er sich von mir löste, hatte ich diese Hauer in meiner Stirn stecken!

Father war genau der Typ für eine Enthüllung, die ich brauchte", gesteht Dotrice. „Die Tatsache, daß mich Leute jetzt auf der Straße erkennen, ist wirklich ganz erstaunlich. Es ist immer eine Frage von ,Wird der echte Roy Dotrice bitte aufstehen?' und ich werde jetzt diese günstige Gelegenheit nutzen, um das zu tun!"

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